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Spezial:
Die Müritzquerung bei Nordwest 4
Bericht statt Bilder (Heckruder
vor Foto)
Die Nacht war kalt in unseren Sommerschlafsäcken. Morgens
sind es so 10°C. Der Wind hat auf NW 3-4 aufgefrischt.
Das Ostufer ist nur undeutlich zu erkennen, die Einfahrt zum Bolter
Kanal nicht sichtbar. Sollen wir die Querung wagen um
so in den Bolter Kanal und damit in die landschaftlich unheimlich
reizvolle Alte Fahrt zu gelangen? Alternativ könnten wir am
geschützten Westufer entlang den sicheren Weg über
den Kanal der Neuen Fahrt wählen.
Was tun ?
Wir haben gelesen, daß die Müritz bei Wind sehr gefährlich
ist. Hohe und steile Wellen, sowie Steinblöcke dicht unter
der Wasseroberfläche insbesondere in der Nähe des Ostufers
können Probleme machen.
Vorsicht ist insbesondere bei N- oder NW-Wind ab Stärke 3 geboten.
Die Müritz ist dann für Paddler nicht mehr befahrbar.
Wir haben doppelt abgeschottete, geschlossene Boote mit
eingebauter Lenzpumpe, Kompaß und Steueranlage,
eine Schwimmweste an, das Paddel am Boot angebunden
und im letzten Jahr gemeinsam einen Seekajakanfängerkurs
mitgemacht. Weiterhin ist jetzt Sommer und damit sind die Wassertemperaturen
für einen längeren Aufenthalt im selben geeignet. Da Wellen
und Wind auf unseren 120 Grad Kurs genau von hinten kommen,
würden wir auch bei einer Kenterung ohne erfolgreichen
Wiedereinstieg, das andere Ufer erreichen.
Aus Sicherheitsgründen nehmen wir nicht den direkten Kurs
für die Querung, sondern queren zunächst die 4 km Bucht
auf Sicht bis zur Landspitze bei Steinhorn (über Zähner
Link). In Höhe der Landspitze gehen wir auf Kompasskurs
120 Grad und hoffen auf der anderen Seite, nach ca. 6 km, auch
beim Bolter Kanal anzukommen.
Zunächst kommen wir mit Wellen und Wind ganz gut zurecht. Da
wir mit zunehmenden Abstand zum Westufer auch immer mehr dessen
Schutzbereich verlassen, nehmen Wind und Wellen zu. Wir haben
ein wenig Angst und beratschlagen, ob wir noch umkehren sollen,
entscheiden uns aber gemeinsam für die Weiterfahrt. Die Wellen
werden immer höher, die Schwäche der aufgesetzten
Navigator Steueranlage (Lettmann) immer gravierender. Immer
wieder kommen besonders hohe Brecher von hinten. Wenn man
da nicht sofort mit dem Paddel das Heckruder übernimmt, droht
der Eski 525 auszubrechen. Mit abwechselnd drei Paddelschlägen
dann Heckruder, 3 Paddelschläge, wieder Heckruder, zwischendurch
etwas Stütze und jede Menge Schiebewind erreichen wir
auch mit viel Glück das andere Ufer. Aber wo ist die Einfahrt
zum Bolter Kanal ? Das Ufer ist nur noch 300 Meter entfernt,
aber es ist Nichts zu erkennen. Tanja gibt Handzeichen - anscheinend
kennt Sie die Richtung. Sie folgt den zur Kanaleinfahrt führenden
Schaumspurresten eines Motorbootes, welches sie bereits vor
20 Minuten aus der Ferne gesehen hat. Klasse !
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